Eine Regierung, die zaudert; Fachleute, deren Warnungen ignoriert werden; Spitäler, in denen sich Ärztinnen und Ärzte auf die Triage vorbereiten – schon ohne Omikron: Wer da nicht zuerst an Deutschland, sondern an Österreich denkt, hat natürlich recht. Ein Blick über die Grenze macht aber deutlich, dass die Pandemie auch dort der künftigen Regierung keine Schonfrist einräumen wird.

Covid-Kranke werden von Bayern nach Nordrhein-Westfalen verfrachtet, weil im Süden die Krankenhäuser überlastet sind.
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Der luftleere Raum, in dem Deutschland zwischen der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Nachfolger Olaf Scholz in diesem Pandemieherbst festhängt, bietet dem Virus nämlich ideale Ausbreitungsmöglichkeiten. Während sich die alte Regierung nicht mehr so recht zuständig fühlt und die neue noch nicht im Amt ist, verfrachtet die Luftwaffe Covid-Kranke von Bayern nach Nordrhein-Westfalen, weil im Süden die Krankenhäuser überlastet sind. Merkels Gesundheitsminister Jens Spahn, der nur mehr wenige Tage im Amt ist, schiebt derweil die Schuld an der zögerlichen Corona-Politik den Bundesländern zu.

Doch auch die künftige Ampelkoalition vermag sich bisher nicht zu einem klaren Kurs durchzuringen. Das Wort Lockdown will auch dort niemand in den Mund nehmen. Dabei wird es laut Lothar Wieler, dem Chef des Robert-Koch-Instituts, ohne Lockdown auch in Deutschland nicht gehen. Welche Regierung ihn beschließt, ob die scheidende oder die kommende, ist egal. Ein Blick nach Österreich ist Warnung genug. (Florian Niederndorfer, 29.11.2021)