In Österreich öffnet ab heute, Montag, der Einzelhandel wieder seine Türen. Nun hoffen die Händler, das Weihnachtsgeschäft noch irgendwie retten zu können. Mit dieser Hoffnung sind sie aber nicht alleine. Auch in den USA – wo es heuer keinen bundesweiten Lockdown gab – hoffen die Händler, die Weihnachtsware noch unter das Volk zu bringen. In den USA sorgen vor allem Vorziehkäufe dafür, dass die Christmas-Shopping-Laune ins Stocken geraten ist.

Das traditionelle Weihnachtsshopping beginnt in Amerika nach Thanksgiving mit dem Black Friday, gefolgt vom Cyber Monday. Diese beiden Einkaufstage, die von Rabattschlachten gekennzeichnet sind, sorgen dafür, dass der Einzelhandel ins Plus dreht. Daher auch der Name Black Friday, weil ab diesem Moment oft schwarze Zahlen geschrieben werden.

Doch Corona hat auch diese Shoppingevents verändert. Durch die Vorgaben, Masken zu tragen oder unnötige Wege zu meiden, litt heuer das sogenannte Präsenzshopping an den sonst starken Einkaufstagen. Bekannt sind Bilder, wenn Menschen die Geschäfte regelrecht stürmen, sobald die Türen aufgehen. Heuer hat sich vieles von diesem Treiben ins Internet verlagert – mit nicht demselben Erfolg.

Weihnachtsshopping begann heuer in den USA heuer so früh wie noch nie.
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Am Cyber Monday gaben die Amerikaner heuer 10,7 Milliarden Dollar aus, das waren um 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr und der erste Umsatzrückgang seit 2012.

"Der leichte Rückgang der Umsätze am Cyber Monday könnte auch damit erklärt werden, dass das Weihnachtsshopping in den USA heuer so früh eingesetzt hat wie noch nie", erklärt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Unicredit Bank Austria und Börsenexpertin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Grund dafür waren die zahlreichen Berichte über Probleme in den Lieferketten. Die Angst, die gesuchten Geschenke nicht oder nicht rechtzeitig zu bekommen, hat viele Menschen dazu veranlasst, ihre Besorgungen früher als sonst zu erledigen. Die Umsatzverteilung erfolgt heuer also anders.

Kein Weihnachtsrisiko

Die Aufrufe zum früheren Shoppingstart haben gewirkt. Niemand wollte riskieren, kein Geschenk zu finden. Auch wenn Handelsexperten darauf hingewiesen haben, dass es auch in Jahren ohne Lieferkettenprobleme so war, dass es um die begehrtesten Geschenke oft ein Rennen gab und aufgrund der hohen Nachfrage die ein oder andere Playstation oder die begehrte Puppe den Weg nicht rechtzeitig unter den Weihnachtsbaum geschafft haben.

Doch während die US-Händler noch auf Käufe in letzter Minute hoffen, braut sich ein anderer Sturm zusammen, der für den Handel Folgen haben könnte. Die Inflation ist in den USA im November auf 6,8 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit Juni 1982. Angetrieben wird die Teuerung durch Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten.

Höhere Energie- oder Spritkosten wirken sich teils schnell aus. Noch scheint die Laune aber nicht getrübt
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Noch prallt das an den US-Konsumenten ab. Das Barometer für die Konsumlaune kletterte im Dezember überraschend um 3,0 Punkte auf 70,4 Zähler, zeigt die monatliche Umfrage der Universität Michigan. Die Verbraucher schätzten sowohl die Lage als auch die Aussichten für die kommenden Monate besser ein. Noch im November hatte sich die Stimmung der US-Verbraucher stärker eingetrübt als erwartet. Das Verbrauchervertrauen fiel zum Vormonat um 2,1 Punkte auf 109,5 Zähler, wie das Marktforschungsinstitut Conference Board mitteilte.

"Die Frage lautet, wann die gestiegene Inflationsrate eine Veränderung beim US-Konsumenten auslöst, sprich die Umsätze im Einzelhandel belastet", sagt Rosen-Philipp. Höhere Energie- oder Spritkosten wirken sich teils schnell aus. Verteuert sich Benzin, merkt das etwa McDonald’s rasch, weil die Menschen weniger zum Drive-in fahren. Nachdem der Konsum zwei Drittel vom US-BIP ausmacht, ist die Shoppinglaune ein wichtiges Zünglein an der Waage. (Bettina Pfluger, 13.12.2021)