Im November stieg die Inflation in der Türkei sprunghaft auf mehr als 21 Prozent. Die Zentralbank hat im Herbst den Leitzins um fünf Prozentpunkte gesenkt, Präsident Erdoğan erhofft sich dadurch eine Ankurbelung der Exporte.

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Istanbul – Nach den jüngsten Währungsturbulenzen will die Türkei gerichtlich gegen spekulative Marktkommentare in sozialen Medien vorgehen. "Wir werden niemals einen solchen Verrat erlauben", sagte Finanzminister Nureddin Nebati dem Sender TRT Haber am Dienstag. Die Regierung peile eine Inflation im einstelligen Prozentbereich, ein deutliches Wirtschaftswachstum und einen Leistungsbilanzüberschuss an.

Nach der Talfahrt der Lira hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Montag angekündigt, dass zum Schutz der Sparer künftig die Differenz zwischen Lira-Anlagen und vergleichbaren Dollar-Anlagen aus der Staatskasse beglichen wird. Mit einer Reihe von Maßnahmen will er eine weitere Dollarisierung der Wirtschaft verhindern. Die Lira erholte sich daraufhin.

Explosionsartiger Anstieg

Die Inflationsrate war im November sprunghaft auf mehr als 21 Prozent gestiegen. Im kommenden Jahr dürfte die Geldentwertung nach Prognosen von Ökonomen sogar 30 Prozent erreichen. Das geht vor allem auf den Verfall der Lira zurück, die in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihres Werts gegenüber dem Dollar eingebüßt hat. Dadurch werden Importe – etwa von Öl und Medikamenten – teurer, weil diese zumeist in Devisen wie Dollar oder Euro bezahlt werden müssen.

Einen Grund für die Währungskrise und die starke Teuerung sehen die Experten in der unorthodoxen Geldpolitik der Zentralbank. Diese hat ihren Leitzins seit September von 19 auf 14 Prozent gesenkt, obwohl Ökonomen eine deutliche Anhebung für die richtige Antwort halten. Erdoğan will damit Exporte, Kredite und Wachstum vor der Wahl im Jahr 2023 ankurbeln. (APA, 22.12.2021)