Am 6. September wurde das letzte Rohr geschweißt.

Foto: REUTERS/NORD STREAM 2/AXEL SCHMIDT

Moskau – Die bisher nicht zertifizierte Gaspipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Energieriesen Gazprom startklar. Der zweite Strang sei vollständig mit technischem Gas befüllt, sagte Konzernchef Alexej Miller am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Das Verfahren sei am Mittag abgeschlossen worden.

"Ich gratuliere Gazprom und seinen Partnern", sagte Präsident Wladimir Putin. Die Gaspipeline, die Russland direkt mit Deutschland durch die Ostsee verbindet, werde zu einer Senkung der hohen Gaspreise in Eurpa führen. "Die Verbraucher in den Ländern, die das russische Gas erhalten, werden das spüren."

Gaslieferungen für den russischen Markt hätten zwar Vorrang, meinte Putin. "Russland hat aber die Möglichkeit, seine Gasexporte zu steigern." Die Gasspeicher in Europa sind Miller zufolge zu 44 Prozent gefüllt, in Deutschland zu 47 Prozent. Gazprom pumpt seit Tagen kein Gas mehr durch die russisch-europäische Leitung Jamal.

Seit Wochen fertiggestellt

Nord Stream 2 soll unter Umgehung der Ukraine Gas von Russland nach Deutschland bringen. Die Ostsee-Pipeline wurde bereits vor Wochen fertiggestellt, ist aber noch nicht in Betrieb.

Russland rechnet mit einer Betriebserlaubnis in den nächsten sechs Monaten. Das Verfahren zur Zertifizierung der Röhren sollte gemäß den ihm bekannten Fristen in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen sein, sagte der für Energiefragen zuständige russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Zeitung "RBK".

"Wir glauben, dass dieses Projekt nicht zum Scheitern gebracht werden kann", sagte Nowak. Es sei in Übereinstimmung mit allen gesetzlichen Anforderungen gebaut worden. "Es gab viele Widerstände."

Das Projekt ist umstritten. Die US-Regierung kritisiert, Europa mache sich dadurch bei der Energieversorgung zu stark von Russland abhängig. Die finanzschwache Ukraine ist dringend auf die Milliardeneinnahmen aus den Durchleitungsgebühren für den Gastransit angewiesen und befürchtet nun hohe Einbußen. (APA, 29.12.2021)