Die neuen Protokolle der US-Notenbank signalisieren, dass das Ende der ultralockeren Geldpolitik bald anstehen dürfte.

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Mit der ultralockeren Geldpolitik könnte es nun wirklich bald vorbei sein. Der Anfang vom möglichen Ende hat einmal mehr in Übersee seinen Ursprung, denn der Inflationsschub in den USA besorgt die Währungshüter der Federal Reserve (Fed). Wie aus dem Protokoll der jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank hervorgeht, spricht die Wirtschafts- und Inflationsentwicklung für einen rascheren Ausstieg aus dem System des billigen Geldes.

In der am Mittwochabend veröffentlichten Mitschrift heißt es, dass die Fed-Mitglieder die Inflationsentwicklung als höher und hartnäckiger einschätzen als bisher angenommen. Am Markt wurde dies als Hinweis auf einen schnelleren Anstieg der Zinsen in den USA gewertet. Zudem steht im Raum, die Bankbilanz zeitnahe nach etwaigen Zinserhöhungen zu verkleinern.

Durch die umfangreichen Anleihenkäufe war die Fed-Bilanz zuletzt auf rund 8,8 Billionen Dollar angeschwollen. Die Fed hatte das Aufkaufprogramm zu Beginn der Pandemie gestartet, um Märkte zu stützen. Dabei wurden monatlich Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar eingekauft. Nun wird das Programm stückweise zurückgefahren. Im März kann es frühestens abgewickelt sein, ab dann könnten die Zinsanhebungen beginnen. Ursprünglich wurde das erst für Sommer erwartet.

Panische Reaktionen

An den Märkten führten die Protokolle zu regelrechter Schnappatmung bei vielen Anlegern. So verabschiedete sich etwa der deutsche Leitindex Dax von seinen Ambitionen, auf ein neues Rekordhoch zu klettern. Der Aufwärtstrend und die herben Verluste am Donnerstag hatten etwas von "himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt". Auch der heimische Leitindex ATX orientierte sich in Richtung Minus, und für den Dow Jones und den japanischen Nikkei ging es ebenfalls nach unten. Du US-Börsen stabilisierten sich im Frühhandel allerdings wieder. Das Protokoll mache den Investoren einen Strich durch die Rechnung, sagte Analyst Christian Henke vom Online Broker IG Market: "Die Zinsängste sind zurück."

Die Reaktion fiel so deutlich aus, weil diese Nachricht tendenziell finanzielle Verluste bedeutet: Die lockere Geldpolitik der Notenbanken gilt als Hauptgrund für den mittlerweile seit Jahren anhaltenden Höhenflug an den Aktienmärkten.

Im Rahmen ihrer Sitzung Mitte Dezember hatten die Dollar-Wächter eine zügige Abkehr vom Krisenmodus beschlossen und für 2022 drei Zinsschritte nach oben signalisiert. Der Ton der Protokolle lege nun nahe, dass eventuell auch vier Zinsschritte in diesem Jahr möglich seien, heißt es bei vielen Börsianern. In den Protokollen ist außerdem nachzulesen, dass durch Omikron der Konjunkturausblick unsicherer geworden sei. Mehrere Notenbanker merkten allerdings auch an, dass sich durch Omikron der wirtschaftliche Erholungspfad nicht grundlegend verändere.

Inflation steigt und steigt

Die Teuerungsrate war in den USA im November auf 6,8 Prozent geklettert, den höchsten Wert seit Juni 1982. Aus der Pandemie resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten treiben die Inflation nach oben. Aus den Protokollen geht nun überdies hervor, dass die Fed die Lage am Arbeitsmarkt als sehr angespannt betrachtet.

Die sogenannten Minutes, wie Mitschriften von Fed-Sitzungen genannt werden, rüttelten auch andere Anlageklassen durcheinander. So rutschte der Goldpreis vorübergehend unter die 1800-Dollar-Marke. Steigende Zinsen heißen, dass Gold verglichen zu Anleihen an Wert verliert. Grund dafür ist, dass der Rohstoff keine Zinsen abwirft.

Und auch am Kryptomarkt macht sich die Zinsangst bemerkbar. Der Bitcoin-Kurs fiel unter 43.000 Dollar und somit auf den niedrigsten Stand seit Ende September des vergangenen Jahres. Für die zweitwichtigste digitale Devise, Ethereum, ging es um mehr als zehn Prozent nach unten. Sie ist dadurch so günstig zu haben wie seit Monaten nicht mehr. "Solange die US-Notenbank ein vorzeitiges Drehen an den Zinsschrauben signalisiert, kann der Bitcoin nicht mehr wie in den vergangenen Jahren von den extrem niedrigen Zinsen profitieren", erklärte dazu Timo Emden von Emden-Research. (Andreas Danzer, 6.1.2022)