Die Ukraine-Krise hat einen Währungsabsturz in Russland ausgelöst. (Symbolbild)

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Der eskalierende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat einen Kurssturz der russischen Währung ausgelöst. Auf der Handelsplattform EBS stürzte der Rubel um knapp 42 Prozent ab, 119 Rubel mussten zwischenzeitlich für einen Dollar bezahlt werden. Mehrere österreichische Banken, darunter die RBI, kämpfen mit Kursverlusten. Der ATX geriet unter Druck. Die russische Zentralbank erhöhte gleich in der Früh den Leitzins von 9,5 auf 20 Prozent, Börsen in Moskau bleiben bis zumindest drei Uhr Ortszeit geschlossen. Der Absturz ist nicht die einzige schlechte Nachricht für die russische Wirtschaft. Die EU setzte schwerwiegende Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat ein Moratorium gegen die Europatochter der staatlichen russischen Sberbank verhängt. Deren europäischen Töchtern droht laut EZB-Bankenaufsicht die Pleite. Unterdessen hat die russische Zentralbank wiederum Ausländern den Verkauf russischer Wertpapiere verboten.

In Österreich standen die Börsen ebenfalls im Minus. Der ATX wurde gegen 9.45 Uhr mit 3.335,34 Punkten nach 3.506,14 Einheiten am Freitag errechnet, das ist ein Kursrutsch von 170,8 Punkten bzw. 4,87 Prozent. Der ATX Prime notierte bei 1.683,43 Zählern und damit um 4,66 Prozent oder 82,31 Punkte tiefer. Die Aktie der Raiffeisen Bank International (RBI) verlor am Montag weiter an Boden. Die Titel der in der Ukraine und in Russland tätigen Bank brachen kurz nach Sitzungsbeginn um knapp 18 Prozent auf 14,03 Euro ein. In den vergangenen fünf Handelstagen hatten die Papiere bereits rund ein Drittel ihres Werts verloren.

Österreichische Banken kämpfen mit Kursverlusten

In einem Statement der Bank vom Montag hieß es, die Bank wolle in der Ukraine "nach wie vor alle wichtigen Bankleistungen" anbieten, um die Kunden unter den schwierigen Bedingungen zu unterstützen. "Dienstleistungen werden unter der Voraussetzung angeboten, dass keine Gefahr für die Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden besteht", hießt es in dem Statement. Eine abschließende Einschätzung zu der Lage in den Ländern könne derzeit nicht gegeben werden, da die Sanktionen "fast täglich" ausgeweitet würden, so die Bank. "Sie sind hart und in ihren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft weitreichend. Die Auswirkungen auf die RBI-Gruppe werden analysiert."

Unter den anderen heimischen Bankwerten zeigte sich am Montag die Aktie der Erste Group um gut acht Prozent schwächer, und die Papiere der Bawag büßten knapp vier Prozent ein. Auch außerhalb Österreichs litten Bankwerte unter dem beschlossenen Ausschluss Russlands aus dem Swift-Zahlungssysten und den Sanktionen gegen die russische Zentralbank. Die Aktien der Deutschen Bank gaben um gut sieben Prozent nach, jene der Commerzbank um 7,6 Prozent. ING, Société Générale, und BNP haben zuletzt jeweils um über sieben Prozent nachgegeben.

Borrell: "Wird das Finanzsystem Russlands erheblich treffen"

Die EU-Sanktionen gegen die Zentralbank umfassen nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Verbot von Transaktionen mit dem Finanzinstitut. Zudem werden alle Vermögenswerte der Bank in der EU eingefroren, um zu verhindern, dass damit der Krieg von Kreml-Chef Wladimir Putin gegen die Ukraine finanziert wird.

Die Strafmaßnahme gilt als ebenso schwerwiegend wie der Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem Bankenkommunikationsnetzwerk Swift. Nach Angaben von EU-Chefdiplomat Josep Borrell wird so zusammen mit anderen G7-Staaten rund die Hälfte der Finanzreserven der russischen Zentralbank eingefroren.

Josep Borrell hofft, dass das Einfrieren russischer Finanzreserven das Finanzsystem des Landes hart treffen wird.
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"Dies wird das Finanzsystem Russlands erheblich treffen", erklärte Borrell noch am Sonntagabend. Konkret wird Russland laut Experten zum Beispiel nicht mehr seine hohen Devisenbestände nutzen können, um den Rubel zu stabilisieren.

EZB-Bankenaufsicht: Sberbank-Töchtern droht Pleite

Die EZB-Bankenaufsicht hält die Überlebensfähigkeit der europäischen Töchter der russischen Sberbank wegen der Auswirkungen der Finanzsanktionen für stark gefährdet. Die Europäische Zentralbank sei zur Beurteilung gelangt, dass die Sberbank Europe AG mit Hauptsitz in Wien sowie ihre beiden Tochtergesellschaften in der Bankenunion, die Sberbank d.d. in Kroatien und die Sberbank banka d.d. in Slowenien, "ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen" werden.

Mit dieser Formulierung kennzeichnet die EZB-Bankenaufsicht Institute, die aus ihrer Sicht nicht mehr existenzfähig sind. "Bei der Sberbank Europe AG und ihren Tochtergesellschaften kam es zu erheblichen Abflüssen von Einlagen infolge der Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf ihre Reputation", teilte die EZB in der Nacht zum Montag mit, "dadurch hat sich ihre Liquiditätslage verschlechtert. Zudem sind keine Maßnahmen verfügbar, bei denen realistische Aussichten darauf bestehen, dass diese Position auf Gruppenebene und auf Ebene der einzelnen Tochtergesellschaften in der Bankenunion wiederhergestellt wird."

Als Reaktion auf die EZB-Einschätzung hat die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) den Geschäftsbetrieb der Sberbank-Europatochter vorübergehend fast komplett unterbunden. Wie die FMA mitteilte, darf die in Wien ansässige Bank "keinerlei Auszahlungen, Überweisungen oder andere Transaktionen durchführen". Die einzige Ausnahme von diesem Zahlungsmoratorium gibt es für Einleger, die zur Sicherung des nötigsten täglichen Bedarfs 100 Euro pro Tag abheben dürfen. Das Moratorium sei bis Dienstag, 23.59 Uhr, befristet. Begründet wurde die Maßnahme mit einem drohenden Ausfall der Bank.

Swift-Ausschluss am Montag

Um dem russischen Finanzsystem angesichts der verschärften Wirtschaftssanktionen unter die Arme greifen, untersagte die russische Zentralbank Wertpapierhändlern, russische Wertpapiere im Besitz von Ausländern zu verkaufen, wie die Bank am Montagmorgen mitteilte. Mit Kapitalspritzen und Fremdwährungsgeschäften sollen zudem heimische Geldinstitute gestützt werden.

Der Ausschluss russischer Banken aus Swift soll im Laufe des Tages verfügt werden. Zudem will die EU weitere Sanktionen gegen Russlands Partnerland Belarus sowie gegen russische Oligarchen, Geschäftsleute und Politiker in Kraft setzen. (red, APA, 28.2.2022)