Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer Videoansprache in der Nacht auf Mittwoch.

Foto: AP/Ukrainian Presidential Press Office

Kiew/Moskau – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will den vom ukrainischen Geheimdienst festgenommenen prorussischen Abgeordneten und Geschäftsmann Wiktor Medwedtschuk gegen ukrainische Kriegsgefangene tauschen. Laut Selenskyj ist es wichtig "für unsere Sicherheitskräfte und Militärs, eine solche Möglichkeit in Betracht zu ziehen". "Ich schlage der Russischen Föderation vor, ihren Jungen gegen unsere Jungen und Mädchen in russischer Gefangenschaft auszutauschen", so Selenskyj.

Medwedtschuk gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin und war kurz nach Beginn des Krieges untergetaucht. Ihm werden in Kiew Hochverrat und Unterschlagung vorgeworfen.

Selenskyj: Putins Plan sieht Tod eigener Soldaten vor

Weiters hat der Selenskyj auf Äußerungen Putins reagiert, dass der in Russland "Spezialoperation" genannte Krieg nach Plan verlaufe. "Ganz ehrlich, niemand in der Welt versteht, wie ein solcher Plan aufgestellt werden konnte", sagte Selenskyj in einer Videoansprache am Dienstagabend. Was tauge ein Plan, der den Tod zehntausender eigener Soldaten vorsehe, fragte der Staatschef. Dabei sei klar, dass in Moskau die Zahl der getöteten Ukrainer ohnehin nicht interessiere. Putin hatte sich am Dienstag sicher gezeigt, dass die russischen Ziele erreicht würden.

Selenskyj zitierte ukrainische Zahlen, wonach bereits 20.000 russische Soldaten getötet wurden. Westliche Schätzungen gehen von mehreren Tausend Toten aus. Der Kreml selbst spricht nur von "schweren Verlusten".

Ob russische Streitkräfte in Mariupol chemische Waffen eingesetzt haben, bleibe indessen weiterhin unklar, erklärte Selenskyj. Es sei derzeit nicht möglich, hundertprozentig sichere Schlüsse darüber zu ziehen, weil eine angemessene Untersuchung in der belagerten Stadt nicht durchgeführt werden könne. (APA, 13.4.2022)