Die Diskussion rund um die Klimaprotestaktionen wird immer emotionaler geführt. Doch wie sieht es eigentlich mit den Fakten aus? Warum gibt es Stau, wie viel Zeit verbringt man etwa als Autofahrerin oder Autofahrer in Wien durchschnittlich stehend, und wie oft bremst ein Falschparker die Straßenbahn aus? DER STANDARD hat sich umgehört, und liefert einen Faktenkatalog rund um das Thema Stau und Verkehrsbehinderungen.

Foto: Getty Images/iStockphotoOleg/Mityukhin

1.808 Falschparker

Von falsch geparkten Autos sind auch Menschen betroffen, die selbst gar nicht im Pkw sitzen, sondern mit den Öffis fahren. Allein in Graz standen letztes Jahr 187 Autos den Öffis wie Bus oder Straßenbahn im Weg. 30 Minuten dauerte es dort im Schnitt, bis das motorisierte Hindernis von Gleisen oder aus der Busspur entfernt wurde. Aus Linz wurden im Vorjahr 600 Behinderungen durch Autos gemeldet. In Wien standen 2021 1.808 Pkws den Straßenbahnen im Weg.

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Neun Minuten

Wer im Jahr 2021 in Wien zur Stoßzeit zwischen 16 und 18 Uhr mit dem Auto unterwegs war, hat im Durchschnitt vier Tage und neun Stunden im Stau verbracht. Auch außerhalb der Stoßzeiten floss der Verkehr in Wien zäh. Im Schnitt verlängerte sich jede Autofahrt um 29 Prozent. Bei einer halben Stunde Fahrzeit waren das also umgerechnet neun Minuten Stauzeit. In den Landeshauptstädten sah das kaum anders aus: Graz plus 22 Prozent, Innsbruck plus 19 Prozent und Linz plus 17 Prozent zur Fahrzeit.

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Staugrund: Autofahrer

Baustellen, Unfälle oder eine Demonstration – und dann staut es sich. So weit, so klar. Der Großteil aller Staus entsteht schlicht durch Überlastung, also zu viele Fahrzeuge wollen auf derselben Strecke zur selben Zeit in dieselbe Richtung fahren. Die Nachfrage nach dem Platz auf der Straße ist größer als der vorhandene Platz. Es passen einfach nicht plötzlich mehr Autos auf eine Straße, bloß weil im Morgenverkehr mehr los ist oder alle gleichzeitig am ersten Ferienwochenende in den Urlaub fahren wollen. Ein weniger bekannter, aber umso häufigerer Grund sind "Phantomstaus" oder "Staus aus dem Nichts". Das sind Staus, bei denen eigentlich kein guter Grund für den Stau auszumachen ist. Es sind immer Einzelpersonen, die solche Stauwellen auslösen – ein träumender Autofahrer oder eine Lenkerin, die auf der Autobahn drängelt, zum Beispiel.

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23.962 Verkehrsunfälle

Rechnet man Unfälle und Fahrzeugbrände zusammen, rückte die Feuerwehr 2021 insgesamt 25.871 Mal aus – für die resultierenden Verkehrsbehinderungen waren vor allem Autos verantwortlich. Wie oft Einsatzfahrzeuge selbst durch Staus, Falschparker oder eine nicht funktionierende Rettungsgasse aufgehalten werden, protokollieren weder Polizei noch Rettung und Feuerwehr. Problematisch seien vor allem Verkehrsspitzen und Autos, die vorschriftswidrig in Kreuzungen einfahren.

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5,15 Millionen Pkws

In Österreich gibt es aktuell knapp über fünf Millionen Pkws. 2022 ging die Zahl der Neuzulassungen leicht zurück. Im pandemiegeprägten Jahr 2021 waren 26 Prozent aller Verkehrsteilnehmer in Wien mit dem Auto unterwegs – etwas weniger als im Jahr davor. Noch mehr Statistik gefällig? Aber gerne! 2021 besaßen 1,6 Millionen Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren entweder keinen Führerschein – oder verzichteten aufs Auto. 600.000 weitere setzten sich nur selten ans Steuer. Übrigens sind mehr Männer als Frauen Autolenker.

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2,3 Meter

Wenn ein Auto über zwei Parkplätze abgestellt wird, dann ärgern sich Autofahrer sogar über ihresgleichen. Wer das Gefühl hat, dass dies immer öfter passiert, könnte recht haben. Denn der SUV-Boom passt nur schwer in die 2,3 Meter breiten Normparkplätze. Mit Spiegeln ist ein BMW X6 mehr als 2,2 Meter breit. Doch auch die Mittelklasse hat an Speck zugelegt. Der erste Golf war 1,63 Meter breit und selbst mit Spiegeln schmäler als der aktuelle Golf ohne diese.

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45 Blockaden

Für besonders viel Aufregung sorgen Staus durch Klimaaktivisten. Überschlagsmäßig zählt man bei der Letzten Generation bisher 45 Sitzblockaden an 33 Tagen in Wien, Graz, Linz und Innsbruck. Im Schnitt sitzen drei bis vier Personen auf der Straße. Die längste Blockade dauerte eine Stunde 20 Minuten, die kürzeste zehn Minuten. Für Februar sind weitere Aktionen geplant.

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535 Staus im Sommer

Im Sommerreiseverkehr verzeichnete der ÖAMTC 2022 insgesamt 535 Staus, das entspricht einem Rückgang von knapp 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser sei aber kaum auf weniger Verkehr zurückzuführen, sondern eher darauf, dass eher auf andere Wochentage für die Reise ausgewichen wird und dass die Abfahrtssperren auf den Autobahnen die Staus an einem Ort – der Autobahn – konzentrieren und damit die Zahl der Staus sinkt.

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Plus 20 Prozent

Das Radfahren wird in Wien immer beliebter. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie gibt es nun in Wien um 20 Prozent mehr Radfahrer und Radfahrerinnen. Das sorgt auf den Radwegen für Staus – aber nicht nur. Dazu kommen auch hier Verkehrsbehinderungen durch Autos: Die Radlobby meldet eine Zunahme von Falschparkern. Oft sind es Transporter oder Botendienste, die Radwege verparken – denn auch die Zahl der Online-Bestellungen hat enorm zugenommen.


(Quellen: VCÖ, ÖAMTC, Stadt Wien, Stadt Graz, Stadt Linz, Tomtom, Statistik Austria, Asfinag, Feuerwehr, Wiener Linien; Text: Guido Gluschitsch, Daniela Rom, Franziska Zoidl, 25.1.2023)