Preisstütze: Als wahrscheinlich gilt eine Verlängerung des Förderlimits um neun Monate.

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Wien – Eigentlich wurden die Weichen bereits im Vorfeld gestellt – und zwar unter vier Augen. In Gesprächen mit den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman will sich Russlands Präsident Wladimir Putin bereits darauf geeinigt haben, die Ölproduktion beider Länder auf das derzeitige Niveau zu begrenzen, wie er am Rande des G20-Gipfels in Osaka verlautbart hatte.

Damit war eigentlich bereits klar, worauf das Treffen des Ölkartells Opec mit ausgewählten Nicht-Opec-Staaten, auch als Opec plus bezeichnet, in Wien hinauslaufen wird: nämlich darauf, die bestehenden Produktionslimits weiterhin anzuwenden. Als wahrscheinlich gilt eine Verlängerung um neun Monate. Am Montag sprachen sich nun auch einige Opec-Vertreter für diese Marschroute aus.

Öl bewegt die Welt: Der mediale Andrang beim Opec-Treffen in Wien war groß.
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Die Verlängerung der Produktionslimits dürften Verbraucher an steigenden Preisen beim Kauf von Treibstoffen oder Heizöl spüren. Für das zweite Halbjahr 2019 zeichne sich ein unterversorgter Markt ab, verlautbarten die Rohstoffanalysten der Commerzbank am Montag. "Dies dürfte den Ölpreisen Auftrieb geben, sodass wir am Jahresende einen Brentölpreis von 70 US-Dollar je Barrel erwarten." Am Montag kostete ein Fass der Nordseesorte Brent etwas mehr als 66 US-Dollar.

Im Dezember hatten sich die Opec-plus-Staaten nach langen Verhandlungen darauf verständigt, 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag weniger als im Oktober 2018 auf den Markt zu pumpen. Dabei entfallen 800.000 Barrel auf die Opec-Staaten, die restlichen 400.000 Barrel auf die zehn anderen kooperierenden Länder. Die Kürzung wurde in den vergangenen Monaten nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris sogar übererfüllt. Die Opec-Mitglieder Iran, Venezuela und Libyen sind von dem Deal ausgenommen. Die 14 Opec-Staaten produzieren gemeinsam rund ein Drittel des weltweiten Ölangebots, die 24 Länder umfassende Opec plus fast die Hälfte.

Bezeichnend ist der schleichende Machtverlust der Opec: Noch in den 1970er-Jahren hatte das Förderkartell mit einem Lieferboykott den Markt erschüttert und die erste Ölpreiskrise ausgelöst. Seit damals hat sich die Lage aber grundlegend geändert, insbesondere, da die US-Schieferölindustrie seit Jahren boomt. Zusammen mit Saudi-Arabien und Russland bilden die USA derzeit die großen drei am Ölmarkt, bei denen letztlich auch die Preismacht zu suchen ist. (APA, aha, 1.7.2019)