Zwölf Hektar Fläche werden in Österreich pro Tag beansprucht – 40 Prozent davon werden versiegelt.

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Zwischen dem Schönbrunner Schloss und der U4 war lange Zeit gar nichts. Das Sportzentrum, in dem einst Hobbysportler neben Leistungsturnern trainierten, lag seit 2012 brach, erst heuer wurde der Busparkplatz fertiggestellt. Während zuvor nur kleine Teile des Areals versiegelt waren, können auf den frisch asphaltierten und betonierten Flächen nun 48 Busse parken. Das Arrival-Center, wie die mit 300 Bäumen verzierte Fläche heißt, war notwendig, um die Parkplatzproblematik in den Griff zu bekommen, hieß es seitens des Schlosses.

Bushaltestelle statt Sportzentrum: das Arrival-Center vor dem Schloss Schönbrunn.
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Ein solches Projekt wird in Zukunft wohl nur schwer zu genehmigen sein. Immerhin liegt das europäische Ziel darin, bis 2050 einen Netto-null-Flächenverbrauch zu erreichen. Das heißt: Es soll möglichst gar nicht neu versiegelt werden. Führt kein Weg daran vorbei, müssen Flächen anderswo kompensiert werden. So eine Reaktivierung des Bodens ist zwar nicht unmöglich, jedoch deutlich komplizierter. Denn versiegelter Boden "ist tot", wie Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamts (UBA), es formuliert.

Zwölf Hektar pro Tag

Von Netto-null ist Österreich noch weit entfernt. Pro Tag werden hierzulande rund zwölf Hektar Fläche in Anspruch genommen. Damit wurde der tägliche Bodenverbrauch seit 2010 zwar halbiert, dennoch bestehe "unbestrittener Handlungsbedarf", sagte Ulrike Rauch-Keschmann vom Umweltministerium in einem Pressegespräch am Dienstag. Wichtig sei hierbei die Unterscheidung zwischen Bodenverbrauch und -versiegelung: Nur 41 Prozent des verbrauchten Bodens wurden im Vorjahr versiegelt – also wasser- und luftundurchlässig gemacht.

Unversiegelte Erdflächen sind gleich in mehrfacher Hinsicht wichtig, erklärt Kienzl: Ein Kubikmeter Erde kann 200 bis 400 Liter Wasser speichern. Noch dazu nimmt der Boden Schadstoffe auf, reinigt das Trinkwasser und speichert CO2. "Eine Handvoll Boden enthält so viele Lebewesen, wie Menschen auf der Erde wohnen", sagt der Experte für Bodenverbrauch. Außerdem betreffe die Flächeninanspruchnahme zumeist landwirtschaftlich genützte Böden – das würde langfristig die Eigenversorgung mit heimischen Lebensmitteln gefährden.

Die Zuständigkeit für das Thema liegt bei Ländern und Gemeinden. Dort will das Ministerium nun in Bewusstseinsbildung investieren: "Nicht jede Gemeinde benötigt ein Spital oder ein Freibad", hieß es am Dienstag. Wesentlich sinnvoller wäre es, Infrastrukturprojekte – und damit auch Instandhaltungskosten – unter Nachbargemeinden aufzuteilen.

Ortskerne revitalisieren

Generell sei es wichtig, dass Gemeinden Ortskerne revitalisieren, gegen Leerstände und gegen Zersiedelung vorgehen, heißt es in dem am Dienstag präsentierten Status-quo-Bericht. Das könne auch Kosten drücken: Die Erschließung eines Einfamilienhauses kostet Gemeinden laut UBA 24.200 Euro, bei dichtbebauten mehrgeschoßigen Wohnbauten sinken die Kosten auf rund 2.400 Euro je Wohneinheit. In ganz Österreich könnten nach Schätzungen des UBA rund 40.000 Hektar Fläche, die durch Leerstände oder stillgelegte Betriebsanlagen belegt sind, wieder genützt werden.

Hauptverursacher für Neuversiegelungen sind derzeit Gewerbeanlagen und der Wohnbau, sie machen jeweils 40 Prozent der Flächen aus. Straßen- und Parkanlagen – wie etwa jene in Schönbrunn – sind für 20 Prozent verantwortlich. Und was hält man im Umweltbundesamt von der touristischen Betonwüste im 13. Gemeindebezirk? Die Antwort von Kienzl fiel eher trocken aus: "Es finden sich zwischen dem Beton einige Bäume. Das ist erfreulich." (Nora Laufer, 8.10.2019)