Wenn in Gesprächen der Begriff Bitcoin fällt, dauert es meist nicht lange, bis das Wort Blase folgt. Zu unverständlich erscheint es vielen Menschen, dass etwas, das es physisch gar nicht und nur virtuell in irgendwelchen Datenbanken gibt, mehr als 18.000 Dollar kosten soll. Frisch sind auch noch die Erinnerungen an das Jahr 2017, als eine regelrechte Euphorie Bitcoin bis auf ein Rekordhoch von fast 20.000 Dollar trieb, bevor der Kurs anschließend ebenso schnell wieder in sich zusammensackte. Droht nun eine Neuauflage einer Kryptowährungsblase?

Seit Jahresbeginn hat der Kurs von Bitcoin um etwa 150 Prozent zugelegt.
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Nicht, wenn es nach namhaften Wall-Street-Banken wie JPMorgan oder der Citibank geht – diese haben ihre einst ablehnenden Meinungen zu Bitcoin längst über Bord geworfen. Beide Institute verglichen zuletzt die Kryptowährung mit Gold, wobei Thomas Fitzpatrick, Leiter von Citibanks Marktanalyse, in einem Bericht Parallelen zu den 1970er-Jahren zieht, als sich der Goldpreis wegen hoher Inflationsraten binnen einer Dekade verzwanzigfachte.

Große Umwälzung

Fitzpatrick sieht damals wie heute Umbrüche in der Geldordnung, welche die Preisentwicklung treiben. Anfang der 1970er-Jahre wurde die fixe Bindung des Dollars an Gold und kurz darauf das sogenannte Bretton-Woods-System fixer Wechselkurse aufgegeben. Eine vergleichbare Umwälzung sieht er nun in der Geldpolitik der Notenbanken, die mit Anleihenkäufen Unsummen in den Geldkreislauf pumpen und die Zinsen auf null oder darunter getrieben haben. Eine Rückkehr zu alter Geldpolitik sieht Fitzpatrick wegen der Covid-Krise bis auf weiteres nicht.

Offenbar wird auch vielen Profiinvestoren mulmig, wenn Notenbanken wie zuletzt zur Abfederung der Corona-Krise hunderte Milliarden oder Billionen wie Kaninchen aus dem Hut zaubern. In der grauen Theorie führt dies nämlich zur Inflation – auch wenn in der Praxis davon bisher nichts zu merken war. Aber würde Bitcoin überhaupt als Inflationsschutz taugen?

Wie Gold hat Bitcoin einen Vorteil – beide sind knapp und lassen sich im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen nicht beliebig vermehren. Bitcoin wurde unter dem Eindruck der Finanzkrise geschaffen und mit einer Obergrenze versehen. Bei 21 Millionen geschaffenen Bitcoins ist endgültig Schluss, bisher wurden davon 18,5 Millionen geschürft, wie das – extrem energieintensive – Erzeugen von Bitcoins durch Computerrechenleistung genannt wird.

Coins der Notenbanken

Den Reizen und Vorteilen der hinter Bitcoin stehenden Blockchain-Technologie sind inzwischen auch die Notenbanken erlegen, experimentieren doch fast alle Währungshüter, darunter auch die EZB, selbst mit digitalen Ausgaben der eigenen Währung. Auch dies verleiht unabhängigen Kryptowährungen derzeit Auftrieb.

Seit der Berg-und-Tal-Fahrt des Jahres 2017 hat sich auch im Umfeld von Bitcoin viel getan: Immer mehr Zahlungsdienstleister wie Paypal integrieren die wichtigsten Kryptowährungen in ihre Systeme, und an US-Börsen können Profianleger mit Derivaten darauf handeln, zudem setzen Institutionelle gerne auf Bitcoin zur Risikostreuung. Wobei der Gesamtmarkt für die richtig großen Player noch zu klein ist. Bitcoin, die mit Abstand größte Kryptowährung, hat 338 Milliarden Dollar Gesamtwert – ein Winzling neben den globalen Anleihen- und Aktienmärkten. Zum Vergleich: Allein Apple ist mehr als zwei Billionen Dollar wert. (Alexander Hahn, 21.11.2020)