Unzählige Menschen sind aufgrund des Konflikts in den benachbarten Sudan geflohen. Per Bus werden sie auf temporäre Unterkünfte wie hier in Hamdayet aufgeteilt und dort notdürftig versorgt.

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Addis Abeba/Mekelle (Tigray) – Eine unabhängige internationale Untersuchung der wochenlangen Kämpfe in der äthiopischen Konfliktregion Tigray wird von der Regierung in Addis Abeba abgelehnt. "Die Tage, in denen wir auf einige westliche Institutionen warteten und zustimmend abnickten, was wir getan haben oder nicht, sind vorbei", erklärte Äthiopiens Demokratisierungsminister Zadig Abraha am Donnerstag der Deutschen Welle.

In deren englischsprachiger TV-Talkshow "Conflict Zone" sagte er: "Tigray ist jetzt sicher, wir kontrollieren jedes Dorf in Tigray." Die Äthiopier seien vereinter denn je. Bei dem Konflikt sei es nicht um eine ethnische Auseinandersetzung gegangen; Behauptungen einer Militärhilfe durch das benachbarte Eritrea wies er zurück. Derartige Berichte seien "glaubwürdig", hieß es vergangene Woche aus dem US-Außenamt.

Blutige Offensive

Die äthiopische Regierung hatte vor gut einem Monat eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) gestartet, die in Tigray an der Macht war. Internet- und Telefonverbindungen wurden gekappt, Straßen blockiert und die Strom- und Wasserversorgung eingeschränkt. Hintergrund des Konflikts sind Spannungen zwischen Tigray und der Zentralregierung.

Die TPLF dominierte Äthiopien gut 25 Jahre lang, bis Ahmed Abiy 2018 an die Macht kam und die TPLF verdrängte. Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Abiy erhielt im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis.

Endlich kommen Hilfslieferungen an

Nach einmonatigen Kampfhandlungen hatte eine Einigung zwischen UN und Äthiopiens Regierung Helfern den Zugang zu den mehr als fünf Millionen Einwohnern Tigrays sowie den dort lebenden Flüchtlingen ermöglicht.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat erstmals seit Beginn der Militäroffensive ein Uno-Konvoi das Gebiet erreicht. Mit 18 Lastwagen wurden 570 Tonnen Nahrungsmittel geliefert. Die Lebensmittel sollen in den kommenden Tagen in den Lagern Adi Harush und Mai Ayni verteilt werden, wo Flüchtlinge aus Eritrea leben.

Millionen-Hilfspaket von Uno

Am Donnerstag hat außerdem die Uno ein Nothilfepaket in Höhe von umgerechnet rund 29 Millionen Euro für Zivilisten in Tigray angekündigt. Rund 20 Millionen Euro sollen in den Kauf von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung fließen, um Verletzte und Kranke zu versorgen. Dazu zählt laut UNO auch die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Trinkwasser.

Die EU hat vor dem Hintergrund des Konflikts einen Teil ihrer Hilfe für Äthiopien suspendiert. (APA, 17.12.2020)