Sechs Bereiche werden bei Programmakkreditierungen von der AQ Austria geprüft. Seit Sommer gibt es auch eine Zulassung mit Auflagen.
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Sie entscheidet, ob eine neue Fachhochschule genehmigt wird und ob neue Studienprogramme an Fachhochschulen zugelassen werden. Die AQ Austria, Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria, spielt für die österreichischen Fachhochschulen eine wichtige Rolle. Nicht immer zum Gefallen der Fachhochschulen, geht der Genehmigung neuer Studiengänge doch ein langwieriges und umfangreiches Prüfverfahren voraus. Im Gegensatz zu Universitäten, die neue Studienangebote nicht akkreditieren müssen, ist eine Akkreditierung für Fachhochschulstudiengänge verpflichtend.

Für Jürgen Petersen, seit einem Jahr Geschäftsführer der AQ Austria, erschließt sich der Sinn dieser Vorgabe nicht. In Deutschland, wo er davor bei einer Akkreditierungsagentur gearbeitet hat, gebe es ein Set an Regeln für den gesamten Hochschulbereich. Akkreditierungen von Studienprogrammen sind in Deutschland auch für Universitäten erforderlich. "Österreich ist hier ein Spezialfall. Hier hat jeder Hochschulsektor ein eigenes Gesetz. Das hat sich historisch so entwickelt." Und im Universitätsgesetz ist eine Programmakkreditierung nicht vorgesehen. Er vermutet, dass diese Vorgabe mit der Studienplatzfinanzierung an den Fachhochschulen zu tun haben könnte.

Umfangreiche Aufgaben

Entstanden ist die Agentur 2012 auf Basis des Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes (HS-QSG) und im Zuge der als Bologna-Prozess bekannten Gründung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums. Solche Agenturen gibt es in allen europäischen Ländern. Damit soll vergleichbare Qualität im europäischen Hochschulbereich sichergestellt und so die Mobilität innerhalb der Europäischen Union, aber auch innerhalb der verschiedenen Hochschulsektoren gewährleistet werden. Wer einen Bachelor an einer Fachhochschule gemacht hat, kann fürs Masterstudium an eine Universität oder ins Ausland wechseln und umgekehrt. Die Agentur erfüllt eine Reihe von Aufgaben, wie beispielsweise die Durchführung von Studien, Systemanalysen und Evaluierungen oder Beratungen bei Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung. Die wichtigste Aufgabe sind aber Akkreditierungen.

"Österreich ist ein Spezialfall. Hier hat jeder Hochschulsektor ein eigenes Gesetz", sagt Jürgen Petersen, Geschäftsführer der AQ Austria.
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Nach der institutionellen Erstakkreditierung müssen sich Fachhochschulen nach sechsjährigem Bestehen reakkreditieren. Danach wird die Leistungsfähigkeit des institutionellen Qualitätsmanagementsystems der Hochschule mittels Audits beurteilt. Eine Gruppe von externen und unabhängigen Gutachtern beurteilt dafür – auf der Grundlage eines Selbstevaluierungsberichts der Hochschule und von Gesprächen vor Ort – anhand fünf im europäischen Hochschulraum gültigen Audit-Standards und verfasst ein Gutachten. "Audits haben einen anderen Charakter. Viele Fachhochschulen gehen für diese Audits zu Agenturen aus Deutschland", sagt Petersen. Auch Unis müssen sich derartigen Audits unterziehen. Die Akkreditierung einer neuen Fachhochschule wird von derAQ Austria derzeit aber nicht durchgeführt, wohl aber Programmakkreditierungen.

Ein Bild machen

Die Verfahrensdauer dafür ist mit maximal neun Monaten begrenzt. "Im Durchschnitt dauert es aber nicht so lange." Wer bis Sommer eine Zulassung für ein neues Studienprogramm bekommen möchte, sollte bis spätestens Oktober einen dementsprechenden Antrag stellen. Danach werde geprüft, werden fachlich passende Gutachter bestellt, und in weiterer Folge machen sich die Gutachter vor Ort ein Bild von der Hochschulumgebung, in die das neue Studienprogramm eingebettet werden soll.

Die Fachhochschulkonferenz (FHK) kritisiert dabei die lange Verfahrensdauer. "Peer-Review-Verfahren sind hier aber europäischer Standard, und die brauchen eine gewisse Zeit", hält Petersen entgegen. Für ihn stecke darin auch ein Mehrwert für die FHs, denn dadurch könne auch ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung geleistet werden. Der Kriterienkatalog, der für die Programmakkreditierung herangezogen wird, ist lang. Allein im Prüfbereich "Studiengang und Studiengangsmanagement" werden 20 Punkte beurteilt.

Insgesamt gibt es sechs Prüfbereiche. Dazu gehören auch die Bereiche Personal, Qualitätssicherung, Finanzierung und Infrastruktur sowie angewandte Forschung und Entwicklung und nationale und internationale Kooperationen genau unter die Lupe genommen. Für Petersen sind Profil, Personal und Forschung dabei die wichtigsten Kriterien. "Wenn eine Fachhochschule ein neues Studienprogramm in einem Gebiet entwickelt, auf dem sie bereits Expertise hat, fällt es leichter, den Kriterien zu entsprechen, als wenn ein Studienprogramm in einem gänzlich neuen Bereich akkreditiert werden soll."

Seit Sommer ist es auch in Österreich möglich, Programme mit bestimmten Auflagen zu akkreditieren. In Deutschland ist das schon lange gängige Praxis, in Österreich wurden Programme entweder zur Gänze angenommen oder eben abgelehnt. Im Berichtsjahr 2019 war das bei einem Studienprogramm der Fall. Insgesamt wurden 20 neue Studienprogramme eingereicht, elf davon im Geschäftsjahr 2019 akkreditiert. Die fehlenden acht fallen ins Geschäftsjahr 2020. Der Bericht dazu folgt noch. (Gudrun Ostermann, 9.2.2021)