Zugegeben, einen "Gerry Weber"-Store im Erdgeschoß eines urigen Fachwerkhauses zu sehen ist schon gewöhnungsbedürftig. Aber es ist wahrscheinlich gerade diese Mischung, die Bad Münstereifel ausmacht.

Das kleine Städtchen in Nordrhein-Westfalen setzt seit 2014 auf ein City Outlet. Teile der Erdgeschossflächen der historischen Innenstadt, um die sich eine nahezu vollständig erhaltene und restaurierte Stadtmauer schlängelt, sind zu einem besonderen Einzelhandelskonzept zusammengeschlossen, erzählt Kurt Reidenbach, der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin von Bad Münstereifel. "Vor circa zehn Jahren hatten wir mit wachsendem Leerstand zu kämpfen. Für viele Geschäfte wurden einfach keine Nachfolger gefunden", sagt er.

Von 1,2 auf 2,5 Millionen

Daher begannen drei Investoren, einer davon sehr stark in der Mode-Branche verankert, die leerstehenden Immobilien zu kaufen oder zu pachten. "Die sind dann auf die Stadt zugegangen mit dieser Idee, ein Outlet zu eröffnen, großteils mit Modegeschäften."

Der Unterschied zu herkömmlichen Outlets: Umwidmungen haben in Bad Münstereifel nicht stattgefunden, alle Geschäfte sind weiterhin kleine Einzelhandelsgeschäfte – dahinter stehen lediglich das gemeinsame City-Outlet-Marketing und die dazugehörige Immobilienverwaltung.

Reidenbach ist sehr zufrieden mit dem Projekt, die Zahlen sprechen für sich: 2014, bei der Eröffnung, verzeichnete das Outlet 1,2 Millionen Besucher jährlich. Kurz vor Corona waren es 2,5 Millionen.

Bad Münstereifel ist nicht nur ein beschauliches Städtchen, es beherbergt auch ein Mode-Outlet und ein neuartiges Konzept dahinter.
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Die Stadt selbst hätte dieses Projekt nicht stemmen können, sagt er. "Der finanzielle Aufwand wäre zu groß gewesen, die ganzen Immobilien zu kaufen, umzubauen und dabei noch den Denkmalschutz zu beachten." Er könne das Konzept durchaus weiterempfehlen. "Man braucht aber definitiv jemanden, der das in die Hand nimmt."

Ein ähnliches Konzept ist die sogenannte gemanagte Einkaufsstraße. So eine befindet sich in der Maria-Tusch-Straße der Seestadt Aspern in Wien. Der Betreiber, die Spar European Shopping (SES), mietet dabei die Gesamtfläche an und gibt diese dann an einzelne Betreiber weiter und achtet unter anderem auf die richtige Durchmischung und Abwechslung. Covid-19 habe gezeigt, wie stressresistent das Konzept sei, heißt es bei der SES. Weitere Projekte seien im Gespräch, aber noch nicht konkret.

Roman Schwarzenecker vom Beratungsunternehmen Standort+Markt sieht beide Konzepte als Chance: "Vor allem in Großstädten kann ich mir eine Quartierentwicklung wie in Bad Münstereifel vorstellen". Erschwerend kommen in Österreich die kleinstrukturierten Eigentümerverhältnisse und der Denkmalschutz hinzu.

Vor allem aber könnte das Beispiel Bad Münstereifel ein Vorbild für österreichische Gemeinden sein, die ebenfalls vom Leerstand betroffen sind. Es wird nicht jedes davon ein Mode-Outlet, und das ist auch gut so. Aber von dieser Kreativität kann man sich anstecken lassen. (Thorben Pollerhof, 23.6.2021)