Nicht zuletzt der Konsum treibt die Inflation auf 5,4 Prozent, das ist der höchste Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.

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Die hohe Inflation in den USA sorgt in der Führung der Notenbank Fed für Diskussionen. Während einige Notenbanker den extrem expansiven Kurs mit Nullzinsen und Wertpapierkäufen zur Bekämpfung der Corona-Krise für angemessen halten, fühlen sich andere zunehmend unwohl damit. Das geht aus den Protokollen der Juli-Zinssitzung hervor. Ebenso, dass einige Fed-Notenbanker erwarten, dass nach einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 5,4 Prozent auch das Ziel einer "maximalen Beschäftigung" bald erreicht werden könnte.

Die Fed beließ zwar den Leitzins bei null bis 0,25 Prozent und behielt die Wertpapierkäufe von monatlich 120 Milliarden Dollar unverändert bei. Fed-Chef Jerome Powell sagte aber nach der Juli-Sitzung, man habe erstmals darüber debattiert, was Zeitplan, Tempo und Ausgestaltung einer möglichen Verringerung der Wirtschaftshilfen betreffe. Offen bliebt, wann dieser Prozess, im Fachjargon Tapering genannt, angekündigt und gestartet wird.

Hohes Wachstum

Die US-Konjunktur brummt wieder, das Wachstum auf Jahressicht beträgt derzeit etwa zwölf Prozent. Gleichzeitig ist nicht nur das Beschäftigungsziel in Griffweite, sondern auch die Inflation liegt mit 5,4 Prozent auf dem höchsten Wert seit mehr als einer Dekade. Wann wird die US-Notenbank einen Kurswechsel durch die Verringerung ihrer Wertpapierkäufe, wie es Kanada oder Australien bereits getan haben, einläuten?

Nicht so bald, sagt Wifo-Ökonom Thomas Url. Einerseits habe der steile Anstieg des Ölpreises seit dem Tief in der Corona-Krise einen erheblichen Teil zur hohen Inflation beigetragen, was sich wohl kaum wiederholen werde. Zudem sieht Url auch in der Glaubwürdigkeit der US-Notenbank ein Argument für ein eher späteres Handeln. Allerdings räumt er auch Entwicklungen ein, die für einen anhaltenden Preisdruck sorgen könnten.

Enorme Summen

Dazu zählt der Volkswirt etwa die umfangreichen Konjunktur- und Infrastrukturpakete der US-Regierung. "Das sind enorme Summen, die zu einem Zeitpunkt in die Wirtschaft fließen, in dem die Kapazitätsauslastung schon hoch ist", erklärt Url. Dies wirke ebenso preistreibend wie die gestiegenen Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte. Dies treffe auf "Konsumenten mit prall gefüllten Brieftaschen, die ihr Geld ausgeben wollen". Preiserhöhungen seien angesichts der hohen Nachfrage leicht unterzubringen.

Dennoch erwartet Url kein rasches Manöver der Fed, um frühere Aussagen nicht zu untergraben. Sie habe nämlich angekündigt, ein Überschießen des mittel- bis langfristigen Inflationsziels von zwei Prozent zuzulassen. Daher werde die Fed "die Zähne zusammenbeißen, ein paar Monate hohe Inflationsraten in Kauf nehmen" und nächstes Jahr den Ausstieg aus den Wertpapierkäufen ankündigen.

Früherer Schwenk

Andere Experten erwarten einen früheren Schwenk. Die US-Chefökonomin Beth Ann Bovino von der Ratingagentur S&P hält es für möglich, dass die Fed dies bereits nächste Woche beim jährlichen Notenbankertreffen in Jackson Hole ankündigt. Der Goldman-Sachs-Zinsanalyst Kamakshya Trivedi erwartet es für das vierte Quartal.

Auch in Europa werden bereits Stimmen laut, etwa jene des Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, die fordern, die EZB möge zumindest ihr Corona-Krisenkaufprogramm Pepp im März 2022 auslaufen lassen. Die regulären Anleihekäufe würden ohnedies weiterlaufen, da der Inflationsdruck mit 2,2 Prozent in der Eurozone lange nicht so ausgeprägt ist wie in den USA. (Alexander Hahn, 20.8.2021)