Die Oberbank blickt zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf.

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Ein Gewinnsprung, hohe Kreditnachfrage bei geringerer Risikovorsorge – in der Linzer Oberbank betrachtet man die Corona-Krise bereits als abgehakt. "In unserer Halbjahresbilanz gibt es keine Krise", sagt Generaldirektor Franz Gasselsberger. "Wir haben das Thema endgültig hinter uns gelassen." Ausgeblieben ist auch die befürchtete Pleitewelle, davon sei angesichts der starken Konjunktur nichts zu spüren. "Angesagte Sachen finden meistens nicht statt", ergänzt der Bankchef.

Auch von der Pandemie besonders stark betroffene Bereiche sieht er im Aufwind. "Unseren Tourismusbetrieben geht es gut", sagt Gasselsberger über jene Branche, auf deren Finanzierung im Jahr 2019, also knapp vor Ausbruch der Krise, ein Fokus gelegt wurde. "Rückblickend war es eine richtige Entscheidung", sagt der Oberbank-Chef. Viele Betriebe hätten die Lockdowns für Investitionen genützt, um sich zukunftsfit zu machen.

Besser als wahrgenommen

Generell stehe der Bereich besser da, als es von vielen wahrgenommen werde. "Das Thema ist einfach nicht aus den Köpfen zu bekommen", klagt Gasselsberger. Der Tourismus ist ihm zufolge ein wichtiger Sektor, der hierzulande robust und gut aufgestellt sei – es gebe nur wenige Betriebe, die jetzt noch kämpfen müssten.

Die Folge ist ein Gewinnsprung im ersten Halbjahr, die Oberbank erzielte einen Überschuss nach Steuern von 114 Millionen Euro nach 17 Millionen im Vorjahreszeitraum. Treiber waren das um sechs Prozent höhere Kreditvolumen von fast 18 Milliarden Euro bei rückläufigen Risikovorsorgen. Ein deutlich höheres Provisionsergebnis trug ebenso zu dem Gewinnsprung bei wie die Beteiligungen der Bank.

Beteiligungen behalten

Diesen will die Oberbank – es geht um Industriekonzerne wie Voestalpine, Energie AG oder Lenzing – auch weiterhin als Kernaktionär erhalten bleiben, obwohl mit dem neuen Bankenregime Basel IV derartige Beteiligungen mit wesentlich mehr Kapital unterlegt werden müssen. Gasselsberger hofft, dass bis zum Inkrafttreten diese Bestimmung für bestehende Beteiligungen aufgeweicht wird, diese also wie bisher behandelt werden. Anderenfalls sei auch die höhere Kapitalunterlegung zu stemmen, sagt Gasselsberger unter Verweis auf die Kernkapitalquote von 18 Prozent.

Weiterhin keinen Burgfrieden gibt es mit der Bank Austria, die an der Oberbank als Kernaktionär beteiligt ist – ebenso wie an den Schwesterbanken BKS und Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV), die am Mittwoch ebenfalls einen Gewinnsprung im Halbjahr um mehr als die Hälfte auf 73 Millionen Euro vorlegte. Der Bank Austria sieht die Kreuzbeteiligungen der 3-Banken-Gruppe, also Oberbank, BKS und BTV, kritisch und zweifelte die Rechtmäßigkeit der Kapitalerhöhungen der Schwesterbanken seit 1994 an. Nach wie vor seien vor Gericht Anfechtungsklagen der Bank Austria gegen Hauptversammlungsbeschlüsse anhängig. "Es geht darum, uns zu monetarisieren, zu zerschlagen und zu verkaufen", mutmaßt Gasselsberger. "Aber das wird nicht passieren." (aha, 26.8.2021)