Robinhood zählte zur Jahresmitte etwa 22 Millionen Nutzer, die im Schnitt 30 Jahre alt sind.

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Nur wenige Wochen nach dem Börsengang an der Wall Street droht dem Neobroker Robinhood ein herber Rücksetzer. Die US-Börsenaufsicht SEC erwägt nämlich, das – gemessen am zuletzt rasanten Kundenwachstum – erfolgreiche Geschäftsmodell zu verbieten. Behördenchef Gary Gensler berichtete in einem Interview mit der Anlegerzeitung "Barron’s", dass ein entsprechender Antrag "auf dem Tisch liegt". Die Robinhood-Aktie verzeichnete daraufhin deutliche Verluste.

Konkret geht es um sogenanntes Payment for Order Flow (PFOF). Bei dieser Art des Aktienhandels leiten Broker die Order ihrer Kunden an größere Handelshäuser weiter, von denen sie dann im Gegenzug Geld erhalten. Erfüllt werden die Kundenaufträge jedoch nicht an der Börse, sondern über ihre eigene Handelsplattformen. SEC-Chef Gensler sieht darin mögliche Interessenkonflikte, da Handelsfirmen so als Erste über Angebot und Nachfrage Bescheid wüssten, was zu unfairen Vorteilen und Marktverzerrungen führen könnte.

Das umstrittene PFOF ist schon länger im Visier der Regulierungsbehörden, in Großbritannien und Australien ist diese Geschäftspraxis verboten. Die SEC untersucht unter anderem, ob PFOF Broker wie Robinhood dazu animiert, die Aufträge nicht zu den Handelshäusern mit den besten Kursen, sondern zu denen mit den höchsten Provisionszahlungen weiterzuleiten.

Spekulationen

Weltweit bekannt wurde Robinhood zu Jahresbeginn im Zuge der Spekulationsattacken auf den US-Videospieleverleiher Gamestop. Zahlreiche Kleinanleger hatten sich über soziale Medien wie Reddit abgesprochen, um großen Hedgefonds, die bei Gamestop auf fallende Kurse gewettet hatten, in die Parade zu fahren.

Der Plan ging auf. Die vielen Käufe der Kleinen trieben die Aktie massiv in die Höhe, was den betroffenen Hedgefonds Milliardenverluste bescherte. Das Vorgehen wurde mit anderen Unternehmen wie der US-Kinokette AMC Entertainment wiederholt. Die Geschäftsmodelle beider Firmen wirken jedoch verstaubt und wenig zukunftsträchtig – nur deren Aktien notieren weiterhin völlig abgehoben in schwindelerregenden Höhen.

Kundenzahl verdoppelt

Robinhood hat dieser Schub an Publicity freilich genutzt. Bis zum Ende Juli erfolgten Börsengang verdoppelte die Trading-App die Kundenzahl binnen Jahresfrist auf etwa 22 Millionen Nutzer, die im Schnitt nur 30 Jahre alt sind.

Allein, das Börsendebüt verlief durchwachsen. Die Aktien konnten nur am unteren Ende des Preisbands bei 32 Dollar platziert werden, etwa ein Drittel davon bei eigenen Kunden, und gaben am ersten Handelstag um weitere zehn Prozent nach. Dann katapultierte ein plötzlicher Kursschub, ähnlich wie bei Gamestop oder AMC, die Robinhood-Papiere bis auf 70 Dollar – seitdem geht es wieder steil bergab.

Reihe an Problemen

Wobei sich das nun drohende PFOF-Verbot, von dem auch andere US-Broker wie Charles Schwab betroffen wären, in eine Reihe von Problemen bei Robinhood einreiht. Es laufen Sammelklagen von Nutzern, die sich wegen technischer Pannen am Wertpapierhandel gehindert sahen oder dem Broker Fehler bei der Orderausführung vorwerfen. Zudem klagten rund 2000 Kunden, deren Konten angeblich bei einem Hackerangriff gekapert wurden. Weitere Sammelklagen gegen Robinhood drehen sich um Verletzungen treuhänderischer Pflichten zum Nachteil von Nutzern. (Alexander Hahn, 31.8.2021)