Offboarding scheint aus der Mode gekommen. Mit Folgen für Gekündigte wie Verbleibende.

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Die Pandemie hat viele Veränderungen in unserer Arbeitswelt gebracht. Eine Facette, die sich Gewerkschaftsangaben zufolge schleichend zu verbreiten scheint, ist eine Kündigungspraxis nach dem Modell "Wisch und weg".

Das geht so: Ein Meeting ohne Thema ansetzen, die Papiere für die Auflösung des Dienstverhältnisses sind schon dabei. Vorlage der Einvernehmlichen, Stift hinlegen und die Unterschrift sofort einfordern mit dem Beisatz: "Sonst wird es eine unangenehmere Kündigung."

Die Entscheidung ist unwiderruflich längst gefallen, bei Nachfrage nach den Gründen wird irgendwas gestrickt. Das ist nicht schwer, die Betroffenen sind sowieso in Schockstarre oder in Panik wie bei einem Überfall von hinten. Keine Chance. Zeit für ein Gespräch ist sowieso nie vorgesehen gewesen. Freistellung per sofort, parallel sind alle Kommunikationskanäle mit der Firma bereits deaktiviert. Arbeitsrechtlich gesehen ist das halbwegs sauber. Menschlich gesehen absolut unerträglich.

Fehlende Wertschätzung

Man braucht nicht sehr viel Empathie, nicht sehr viel Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, um zu wissen, was solche Erlebnisse in der Arbeitswelt mit Jungen machen. Jedenfalls werden diese Erfahrungen für die kommenden 40 Erwerbsjahre prägen, das Bild von Vorgesetzten bauen, das Verhältnis zu den nächsten Jobs vergiften und im privaten Umfeld für einiges an Problemen sorgen. Da muss sich ein junger Mensch fragen: Warum in einen Job ganz reinhauen und engagieren – ich bin nichts wert, absolut austauschbar und völlig ohnmächtig.

Ähnlich läuft es oft auch beim Übergang in die Pension. Die letzten Arbeitstage? Auch da schleicht sich ein "Und tschüss!" ein. Wertschätzung und ein Prozess für das sogenannte Offboarding kommen aus der Mode. Ein kleines Abschiedsfest? Ach, es ist eh niemand im Büro, dann halt nicht. Die Alten sind schnell weg, das macht sich wie eine Erleichterung breit.

Unternehmen, die so agieren, vergessen, dass solche Abgänge auch mit den Verbleibenden etwas anrichten. Die merken ja, ob es Wertschätzung gibt oder nicht. Die spüren ja, ob es stimmt, dass der Firma etwas am Menschen liegt. Eben nicht, und das infiziert die gesamte Organisation.

Dass eine solche Kündigungspraxis, ein solches Offboarding so ganz und gar nicht zu den großen Sprüchen der "Corporate Social Responsibility", der immer gerne zitierten gesellschaftlichen Verantwortung von Firmen passen – eh klar. Denn die hat auch eine soziale Dimension nach innen und außen. Da kann man gut sehen, was echt ist und was nicht. (Karin Bauer, 7.9.2021)