Die neue Schutzhülle um den Reaktor 4.

Foto: REUTERS/Gleb Garanich

Manche Leute verbringen ihren Urlaub lieber am Meer, andere in den Bergen, andere ziehen sich lieber einen weißen Chemikalienschutzanzug an, setzen sich Schutzhelm und –maske auf und erkunden das Atomkraftwerk Tschernobyl. Und nein, das ist kein Scherz. Unerschrockene Technik-Nerds dürften damit auf ihre Kosten kommen.

Denn wie "CNN Travel" berichtet, hat die ukrainische Regierung nun den Kontrollraum von Reaktor 4 für Touristen geöffnet. Das ist jener Ort, an dem am 26. April 1986 die atomare Katastrophe ihren Lauf nahm. Eigentlich sollte damals der Ausfall der externen Stromversorgung simuliert werden. Der Verstoß gegen zahlreiche Sicherheitsbestimmungen und Schwachstellen in der Bauart der Anlage wurden dem Betreiber jedoch zum Verhängnis. Die Decke von Block vier explodierte.

Lange Zeit Sperrgebiet

Die dort ansässige Bevölkerung musste evakuiert werden. Lange galt die Gegend als Sperrgebiet. Seit 2011 wurde das Gebiet aber zunehmend für Touristen geöffnet – und diese nehmen das Angebot dankbar an. 2017 sollen rund 30.000 Interessierte den Schicksalsort besucht haben. 2019 veröffentlichte HBO zudem die Mini-Serie "Chernobyl". Sie erzählt, wie fahrlässig und vertuschend mit der Katastrophe umgegangen wurde. Die Serie lockte noch mehr Touristen nach Tschernobyl. Und löste im Netz einen umstrittenen Selfie-Boom aus.

Offizielle Sehenswürdigkeit

Durchaus zum Gefallen der ukrainischen Politiker. So hat Präsident Wolodymyr Selenskyj im Juli Tschernobyl als offizielle Sehenswürdigkeit anerkannt. Man müsse diesem Ort neues Leben einhauchen, sagte er anlässlich der Einweihung der neuen Schutzhülle rund um den explodierten Reaktor. Diese soll verhindern, dass keine Radioaktivität mehr aus dem Inneren des Reaktors nach außen gelangt.

Apropos Radioaktivität: Touristen müssten laut CNN keine Angst davor haben. Nachdem die Besucher den Kontrollraum verlassen haben, werden zwei Strahlenmessungen durchgeführt. (red, 8.10.2019)