Die Aufstiegsstufe hat sich vom Lander getrennt und ist wieder in den Mondorbit eingeschwenkt.
Illustr.: CNSA

Peking – China hat einen wesentlich Teil seiner schwierigen Mission zur Bergung von Mongestein hinter sich: Nach dem erfolgreichen Sammeln von Bodenproben, bei dem die Oberfläche auch angebohrt worden sein soll, hat die chinesische Mondsonde Chang'e-5 am Donnerstag wieder den Erdtrabanten verlassen, wie Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Man erwartet, dass das Aufstiegsmodul als nächstes automatisch an das Raumschiff im Mondorbit koppelt, was als besonders heikles Manöver gilt. Chang'e 5 ist mit 8.200 Kilogramm das bisher größte Raumschiff der Chang'e-Flotte und besteht aus vier Modulen: dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe.

Der Roboterarm von Chang'e-5 sammelt Bodenproben ein.
Foto: AP/China National Space Administration/Xinhua

Heikle Phase

Beim Abheben vom Lander schleuderte zunächst ein Federmechanismus die Aufstiegsstufe mit den Proben hoch, ehe ihr Drei-Kilonewton-Triebwerk für sechs Minuten feuerte. Nachdem der Lander keine reguläre Startrampe ist, war auch diese Phase äußerst kritisch, zumal ihre genaue Neigung zur Horizontalen erst bestimmt werden musste. Nach dem senkrechten Flug eruierte die Aufstiegsstufe mithilfe des Chinesischen Tiefraum-Netzwerks und ihrer eigenen Sensoren ihre Position. Danach schwenkte sie in einen niederen Orbit ein. Zwei Minuten nach dem Start entfalteten sich die Solarmodule der Aufstiegsstufe.

Nach insgesamt vier Bahnkorrekturmanövern soll die Aufstiegsstufe gut zwei Tage später in einer Höhe von 200 Kilometer am Orbiter ankoppeln. Für dieses Manöver steht ein Zeitfenster von dreieinhalb Stunden zur Verfügung.

Scharfe Aufnahme: Das Panoramabild zeigt die unmittelbare Umgebung der Chang'e-5-Sonde nach der Landung im Oceanus Procellarum.
Foto: AFP/China National Space Administration (CNSA) /CNS

44 Jahre ist es her

Der Lander ist vergangenen Dienstag nördlich des Vulkanberges Mons Rümker im Oceanus Procellarum, dem "Ozean der Stürme" am westlichen Rand der erdzugewandten Seite des Mondes erfolgreich aufgesetzt. Ziel der mittlerweile dritten chinesischen Mondmission ist es, weltweit erstmals seit 44 Jahren wieder Gesteinsproben vom Mond zur Erde zurückzubringen. Bei einer erfolgreichen Rückkehr zur Erde wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den 60er- und 70er-Jahren erst die dritte Nation, der ein solches Vorhaben gelungen ist. Chang'e-5 war am 23. November (MEZ) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan gestartet.

Der Lander ging nördlich des Mondvulkans Mons Rümke nieder.
Fotos: Nasa

Das Raumschiff soll am 16. oder 17. Dezember im Siziwang Banner in der Inneren Mongolei landen. Wissenschafter warten gespannt auf die Proben, denn bisher wurde noch kein Gestein aus der jüngeren Mondgeschichte zu Untersuchungen zur Erde gebracht. Der Oceanus Procellarum ist nur 1,2 Milliarden Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion eingesammelt hatten, ist hingegen mit 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren deutlich älter.

Test für bemannte Missionen

Geplant ist, rund zwei Kilogramm Material auf die Erde zurückzubringen. Wissenschafter erhoffen sich von den Proben neuen Aufschluss über die jüngere vulkanische Aktivität des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte mit unbemannten Missionen etwa 300 Gramm ein.

In dieser Mond-Mission der Chinesen sehen Raumfahrtexperten nicht nur eine geologische Mission, sondern einen wichtigen Technologietest, etwa für künftige bemannte Flüge zum Mond.

Video: Aufzeichnung der Live-Übertragung der Landephase.
RocketGyan

Auch unterwegs zum Mars

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Geplant ist so mittelfristig nicht nur, wieder Menschen zum Mond zu schicken. Derzeit ist auch die chinesische Sonde Tianwen-1 zum Mars unterwegs. Zudem soll kommendes Jahr der Bau einer Raumstation beginnen.

Video: Die Animation zeigt, wie die Chang'e-5-Mission ablaufe soll.
CGTN

Chang'e-5 ist die zweite Mond-Mission der Chinesen innerhalb von zwei Jahren. Im Jänner 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit Chang'e-4 auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht.

Mit Chang'e-3 hatten die Chinesen 2013 eine Sonde auf der Vorderseite des Erdtrabanten gelandet – weit später als Russen und Amerikaner. Die USA hatten nach unbemannten Sonden zwischen 1969 und 1972 auch zwölf Astronauten auf den Mond gebracht. (red, APA, 3.12.2020)