Der Anstieg der Konsumentenpreise gewinnt in der Eurozone an Fahrt und erreicht den höchsten Stand seit September 2008.

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Die Inflation nimmt in Europa sukzessive weiter zu. In der Eurozone hat die Teuerung im September den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht. Die Verbraucherpreise seien gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat zu Wochenschluss mit. Im August war die Rate noch bei exakt drei Prozent gelegen. Volkswirte hatten mit einem geringeren Preisauftrieb von 3,3 Prozent gerechnet. Höher wurde die Inflation in der Eurozone zuletzt im September 2008 ausgewiesen.

Besonders stark verteuerte sich im September neuerlich Energie, die 17,4 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Preise für Industriegüter stiegen um 2,1 Prozent. Lebens- und Genussmittel kosteten ebenfalls um 2,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dienstleistungen waren 1,7 Prozent teurer.

Schub bei Kerninflation

Die von Volkswirten stark beachtete Kernteuerungsrate ohne Energie und Lebensmittel stieg ebenfalls. Sie erhöhte sich von 1,6 Prozent im August auf 1,9 Prozent. Volkswirte hatten dies erwartet. Die Kerninflation gilt vielen Ökonomen als zuverlässigere Messgröße für die Teuerung, da sie in der Regel weniger stark schwankt.

Volkswirte erwarten zunächst auch keine Entspannung. "Der Verbraucherpreisanstieg wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen", sagt etwa Thomas Gitzel von der VP Bank, "weiter steigende Inflationsraten sollten also für kein Raunen sorgen." Allerdings gibt er zu bedenken: "So sehr das aktuelle Inflationsniveau und das der kommenden Monate prognostizierbar sind, so groß ist die Unsicherheit für das kommende Jahr."

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Sie betrachtet den derzeitigen Inflationsanstieg jedoch als vorübergehend und verweist auf Sonder- und Einmaleffekte, die zum Großteil auf die Folgen der Corona-Krise zurückgehen.

Zweifel an Abschwächung

Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe hegt Zweifel an einer Abschwächung der Teuerung im nächsten Jahr: "Weiten sich die globalen Energieengpässe weiter aus, wird die Inflationsrate 2022 kaum zum EZB-Preisziel von zwei Prozent zurückkehren." Kurzfristig erwartet auch er sogar weiter steigende Werte: "Der Anstieg der Inflationsrate wird sich noch bis zum Jahresende fortsetzen", sagt Krüger. "Nur wenn es günstig läuft, rutscht die Vier nicht vors Komma."

Für die weitere Entwicklung blicken beide Ökonomen vermehrt auf die Lohnentwicklung. Sofern die höheren Konsumentenpreise Niederschlag in den Einkommenssteigerungen finden, sehen sie das Risiko einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale. "Um eine ernste Inflationslage handelt es sich dann, wenn sich Zweitrundeneffekte stärker durchsetzen", erklärt Krüger. "Dazu gehört vor allem das Lohnwachstum."

Konstant in Österreich

Auch in Österreich bleibt die Teuerung auf hohem Niveau. Im September dürfte die Inflationsrate laut einer ersten Schätzung der Statistik Austria 3,2 Prozent betragen haben. "Die weiterhin hohe Inflation ist insbesondere durch die niedrigen Energie- und Treibstoffpreise im vergangenen Jahr bedingt", erklärt Statistik-Chef Tobias Thomas. Auch im August waren die Verbraucherpreise bereits im Jahresabstand um 3,2 Prozent gestiegen. "Der im Frühjahr begonnene starke Anstieg der Inflationsrate setzt sich im September aber nicht mehr fort", ergänzt Thomas.

Wie der allgemeine VPI dürfte auch der für die Eurozone einheitlich errechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs im September laut Statistik Austria binnen Jahresfrist um 3,2 Prozent angestiegen sein. (aha, 1.10.2021)