Samantha Cristoforetti zählt zu den erfahrensten Raumfahrenden der Esa. Am Mittwoch startet sie zu ihrer zweiten Mission auf der Raumstation ISS.

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Vielleicht war es der Blick in den sternenklaren Nachthimmel über ihrem Heimatdorf Malè im Trentino, der den Wunsch in ihren Kopf pflanzte, eines Tages von dort oben auf die Erde hinunterzuschauen. Oder es war die Begeisterung für Science-Fiction-Bücher und -Serien, die sie sich bis heute erhalten konnte: Während ihres ersten Aufenthalts auf der ISS vor sieben Jahren schwebte Samantha Cristoforetti in einer Sternenflottenuniform des "Star Trek"-Universums durch das Aussichtsmodul der Raumstation. Nun steht die Esa-Astronautin, die am Dienstag ihren 45. Geburtstag feierte, vor ihrem zweiten Flug ins All.

Kampfpilotin aus den Alpen

Dass sie es so weit geschafft hat, ist nicht zuletzt ihrem Selbstbewusstsein zu verdanken, das Ergebnis einer Kindheit in der freien Natur voller "kleiner Abenteuer, großer Freude" und viel Gelegenheit, ein Gefühl der Selbstsicherheit zu entwickeln, wie sie selbst meint. Spätestens während ihrer Zeit am Gymnasium verwandelten sich die Träume von fremden Welten in konkrete Ziele, die Cristoforetti mit großer Entschlossenheit verfolgte: Einem Maschinenbaustudium in München folgten mehrere Auslandsaufenthalte, die Ausbildung zur Kampfpilotin in den USA und schließlich die Teilnahme an einem Auswahlverfahren der Europäischen Weltraumorganisation (Esa), dem sie sich 2009 in Paris mit 8.500 anderen stellte.

Am Ende schafften es sechs durch das beinharte astronautische Assessment – und Samantha Cristoforetti war die einzige Frau unter ihnen. Fünf Jahre später ging dann ihr Traum vom Flug ins All tatsächlich in Erfüllung: Zwischen November 2014 und Juni 2015 verbrachte Cristoforetti bei einem Langzeitaufenthalt auf der ISS 199 Tage im Weltraum, womit sie gleich mehrere Rekorde aufstellte.

Espresso in der Schwerelosigkeit

Die Mission markierte den längsten ununterbrochenen Raumflug eines Esa-Weltraumreisenden und zugleich den längsten Aufenthalt einer Frau im Weltall. Und ganz nebenbei war sie auch noch für eine sehr italienische Premiere gut: Sie ist die erste Person, die im All frisch zubereiteten Espresso trank, gebrüht mit einer eigens für die Mikrogravitation entwickelten Espressomaschine.

Mittlerweile wurde sie von der Nasa-Astronautin Christina Koch eingeholt, doch derartige Superlative hätten für sie ohnehin keine Bedeutung, sagt Cristoforetti. Stattdessen könnte sie bei der anstehenden ISS-Mission, zu der sie Mittwochfrüh gemeinsam mit Kjell Lindgren, Robert Hines und Jessica Watson (alle von der Nasa) mit einer Crew Dragon von Space X anreist, ihr nächstes großes Ziel erreichen: Mitte Mai ist sie für ihren ersten Außenbordeinsatz vorgesehen, bei dem sie gemeinsam mit dem russischen Kosmonauten Oleg Artemjew den europäischen Roboterarm ERA in Betrieb nehmen soll. (tberg, 26.4.2022)